Wo sind denn bloß die Kätzchen?
Katerina Gorelik hat ein Wimmelbuch geschaffen, das es in sich hat
Irmtraud Gutschke
Wenn etwas verschwunden ist und man es suchen muss, verursacht das gewöhnlich Stress. Dem will man aus dem Wege gehen. Ob Kinder wohl Spaß daran haben? Und ob! Etwas wiederzufinden bereitet ihnen Genugtuung. Vor allem, wenn wir sie gar loben, dass sie bessere Augen haben als wir. 10 Kätzchen, 10 Blumen, 10 Eier 10 Stiefel, 10 Maschinenteile und 10 Schmuckstücke muss Detektiv Samson wiederfinden. Auf jeder Doppelseite hat sich je ein Teil davon versteckt. Wobei es ohnedies schon ziemlich verrückt zugeht. Eine Hundedame schüttet ihren Nachttopf aus. Eine Maus klaut ein Hühnerbein. Und das hat erst einmal überhaupt nichts mit den verlorenen Gegenständen zu tun. Die roten Blumen habe ich gleich gefunden. Aber mit den Schmuckstücken und Maschinenteilen ist es echt schwer. Und das liegt nicht an meinen Augen, sondern an meiner Ungeduld.
Wimmelbücher – dieses ist besonders phantasievoll und wimmelig – sind freilich für längere Beschäftigung da. Da gelten andere Regeln als im Erwachsenenleben. Mit etwas schnell fertig sein zu wollen, ist hier das Gegenteil vom Angestrebten. Um lustvolle Beschäftigung geht es, und das muss wohl unsereins erst wieder lernen. Mit der Moskauer Künstlerin Katerina Gorelik geht es uch Straßen und Abflussrohre, in Meerestiefen, an einen Badestrand, in den Wald, auf einen Campingplatz und ins Schneegebirge. Überall muss Detektiv Samson suchen, wo sich etwas versteckt haben könnte. So viele Kätzchen sehe ich plötzlich und eine ganze Kiste voller Schmuck. Pupst der Fuchs etwa? Wieso haut der Hase den Maulwurf mit einer Möhre? Wir wissen es nicht. Das Buch will wieder und wieder betrachtet werden.
Katerina Gorelik: Detektiv Samson, Insel Verlag, 36 S., geb., 18 €.